100% Bio!

Newsletter September 2026

Liebe Bruderholzhofkund*innen

Braun sind schon die Wälder, dürr und brach die Stoppelfelder. Einmal aufgeatmet und schon ist alles wieder trocken. Die Zwischenfrüchte und das eingesäte Zusatzfutter stagnieren, bründschelen oder sind gar nicht erst ausgetrieben. Die lang ersehnten Linsen sind heimgesucht von einem neuartigen Ungeziefer, mit dem auch die grossen Bioproduzent*innen zu schaffen haben, da man noch keine giftfreie Vernichtungsmethode finden konnte. So mussten auch wir den Verkauf stoppen, da wir die Linsen erst gründlich untersuchen müssen, ob auch bei uns das eine oder andere Käferlein zu finden ist, oder wir diese Bedenkenlos vegetarisch verkaufen können. Der Heustock ist zwischenzeitlich mit italienischem und walliser Heu gefüllt, was unseren Idealen zwar gänzlich widerstrebt, jedoch auf keine Weise vermeidbar gewesen war. Das Gemüse wird weiterhin fleissig bewässert, die Tomaten gehen zur Neige, die Gurken bäumen sich ein letztes mal auf, während die Peperoni und Chili noch voll im Saft sind und in den herbstlichsten aller leuchtenden Farben glänzen. Die Kartoffeln sind geerntet und – trotz einem landesweiten Tiefstandesniveau – erstaunlich in Ordnung und auch die Süssen ihrer Namensvettern haben uns eine reiche und vor allem vielseitige Ernte beschert. Von orange, weiss bis tief violett kann so manche bunte Süsskartoffelpfanne gestaltet werden.

Der erste Nüsslisalat ist gepflanzt und auch sonst ist die wundervoll vielseitige Wintersalatsaison angebrochen.

Wie bereits angekündigt, beginnt nun wieder die von manchen gefürchtete, von vielen lang ersehnte Fleischsaison auf dem Bruderholzhof. Unter strenger Prüfung des kantonalen Veterinärs sind die ersten beiden Kälber Ende letzter Woche in die ewigen Jagdgründe eingezogen. Nach anfänglich grosser Aufregung, verlief die Hoftötung reibungslos und vorbildhaft. So konnten die beiden Kälber inmitten ihres gewohnten Umfeldes unaufgeregt die ewige Ruhe finden. Das leicht mulmige Gefühl, das uns jedes Mal ereilte, wenn wir Tiere zum Schlachthof führten, wich einer andächtigen, friedlichen Ruhe. Anstatt bei grellem Licht abgefertigt zu werden, konnten die Kälber liebevoll von uns begleitet und verabschiedet werden. Obschon auch diese Begegnung mit dem Tod etwas ist, was uns nahe geht, so war es doch beeindruckend zu sehen und zu spüren wie anders sich ein Ableben in diesem Umfeld doch anfühlt. Und auf welch andere Weise wir uns so mit selbigem auseinandersetzen können.


An dieser Stelle machen wir Sie gerne darauf aufmerksam, dass nur noch einige wenige Fleischpakete verfügbar sind. Bestellungen nehmen wir gerne per Webshop, Email oder Telefon entgegen.


Die Alpkühe sind unter freudigem Geläut und zartem Blumenschmuck widerwillig von der Alp zurück gekehrt und mit ihnen eine übervolle Kellerladung milder und rezenterer Käse. Dieser wurde von der bündnerischen Fachjury am Plantahof Landquart sogar mit einem goldenen Sigel prämiert und wartet nun darauf, verspeist zu werden. Auch die Butter im Goldgewand ist ab sofort wieder erhältlich: «Es hed solangs hed».

Nicht nur von der Alp, sondern auch von unserem eigenen Sauerrahm gibt es nun seit neuerem wöchentlich frische Butter. In der Milchküche wurde fleissig getüftelt an Wassertemperatur und Schlagtechnik, um den bisher nur für den eigenen Haushalt produzierten Butter in Geschmack und Streichfähigkeit zu einem allgemein-verkäuflichen Produkt weiter zu entwickeln. Die Tüftelei ist zwar noch nicht gänzlich beendet, was sich bisher vor allem an dem von der Sennerin als unperfekten Aussehen zeigt. Doch inzwischen ist die Butter sauber beprobt und somit in stark limitierter Auflage frei verkäuflich und damit für uns eine kleine freudige Errungenschaft.

Wie der Herbst sich neigt, die Blätter und Nüsse fallen und sich die Lager für den Winter zunehmend füllen, entsteht ein überwältigendes Gefühl von tiefer Dankbarkeit. Selbst in einem Jahr wie diesem – um nicht zu sagen gerade in einem Jahr wie diesem – in dem wir vor gar manche Herausforderung gestellt werden und eine so gellend extreme Seite der Natur zu spüren bekommen, ist es doch unfassbar, wie reich uns eben diese doch Jahr für Jahr beschenkt: Mit einer so unglaublichen Vielfalt an Geschmäckern, Gerüchen, Farben und Qualitäten des nährenden Lebens. Hinzu kommt die Dankbarkeit für all jene Menschen, die uns bei dem Versuch zur Seite eilen, der Natur und all diesen von ihr hervorgebrachten Wundern, Sorge zu tragen, sie zu pflegen und zu ernten und unter die Menschen zu bringen. Erntedank.


Zack und somit steht auch schon das so fern in der Zukunft geglaubte Hoffest an, bei dem wir all das mit Ihnen teilen, feiern, geniessen und Begegnung schaffen wollen, mit Stadt und Land, mit dem Weg vom Boden, zum Tier, in die Milch und die Kammer bis zum Mensch, zum «wüsse wos här kunnt».

Das Programm vom Hoffest am Samstag, 17. Oktober 2026:

Ab 11:00 UhrStart Essensstände und diverse Aktivitäten
xx:30 UhrHofführungen:
11:30: Tierhaltung durch Laura
12:30: Ackerbau durch Isidor
13:30: Gemüsebau durch Manuel
14:30: Milchverarbeitung durch Flora
15:30: Getreideverarbeitung durch Sämy
Ab 18:00 UhrNachtessen (Anmeldung bis 11.10. per E-Mail erwünscht)
20:00 UhrKonzert mit Kollekte

Anreise: Vielen Dank, dass Sie mit ÖV, Velo oder zu Fuss anreisen. Auf dem Hof gibt es keine Parkplätze. Bitte nicht auf den Wiesen parkieren.

In diesem Sinne grüssen wir in vorfreudiger Erwartung vom Bruderholzhof,

Flora, Sämy, Isidor, Laura und Manuel

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